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Rassistische Äußerungen: Schauspieler Peter Lohmeyer tritt wegen Tönnies-Eklat bei Schalke 04 aus

Weil er Schalker ist, tritt er aus seinem Lieblingsverein aus: Das sagt Filmstar Peter Lohmeyer in einem Interview mit dem Fußballmagazin "11Freunde". Anlass seien die rassistischen Aussagen von Club-Boss Clemens Tönnies und dessen Nicht-Rücktritt.

Peter Lohmeyer

Das waren noch schöne Zeiten: Peter Lohmeyer mit Champions-League-Pokal vorm Spiel gegen Inter Mailand 2011

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Peter Lohmeyer, gebürtiger Sauerländer und Schauspieler, tritt als Vereinsmitglied bei Schalke 04 aus, wie das Fußballmagazin "11Freunde" berichtet. Der 57-Jährige reagiere damit auf den Rassismus-Eklat um Aufsichtsratschef Clemens Tönnies. Der Unternehmer lässt sein Amt wegen abschätzigen Bemerkungen über Afrika zunächst für drei Monate ruhen. Für Peter Lohmeyer reicht das nicht, wie er im Interview mit "11Freunde" sagt, das uns die Kollegen freundlicherweise zur Verfügung gestellt haben.

Herr Lohmeyer, warum treten sie als Mitglied bei Schalke 04 aus?

Weil ich Schalker bin! Schalke 04 war immer ein Vorreiter im Kampf gegen Diskriminierung und Rassismus, und darauf war ich immer sehr stolz. Jetzt wird das durch den Metzger infrage gestellt, und das macht mich sauer – und traurig! Irgendwie kommt es mir so vor, als hätten Menschen in diesem Verein diese Haltung nur benutzt und nicht wirklich gelebt.

Clemens Tönnies

Sie beziehen sich auf die Äußerungen von Aufsichtsratschef Clemens Tönnies. Die liegen elf Tage zurück, die Verhandlung des Ehrenrates dazu waren in der letzten Woche, warum melden Sie sich erst jetzt?

Auszutreten war mein erster Impuls, aber ich wollte mich nicht gleich dicke aus dem Fenster lehnen, sondern mal sehen, wie sich die ganze Diskussion weiter entwickelt. 

Der Ehrenrat von Schalke hat in seiner Bewertung von Tönnies Äußerungen eine Unterscheidung zwischen Diskriminierung und Rassismus gemacht, wie bewerten Sie das?

Im Leitbild von Schalke steht: 'Von uns Schalkern geht keine Diskriminierung und keine Gewalt aus. Wir zeigen dem Rassismus die Rote Karte.' Daher verstehe ich nicht, wie sie da versuchen können, einen Unterschied zu machen. Wer gegen dieses Leitbild verstößt, ist kein Schalker! Es wird davon gesprochen, wie viel Clemens für Schalke getan hat. Dagegen sage ich auch gar nichts. Aber sein Rücktritt hätte seine letzte große Tat für Schalke sein können, denn damit hätte er vom Verein eine große Last genommen. Aber es ging ihm anscheinend in diesem Moment nicht um Schalke, sondern um ihn selbst.

Wie beurteilen Sie die Äußerung von Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider, der vor einer "Hetzjagd" auf Tönnies gewarnt hat?

Das ist absurd, weil dadurch aus dem Täter ein Opfer gemacht wird. 

Sie sind in den letzten Jahren als Vorzeige-Schalker aufgetreten, hören Sie damit jetzt auf? 

Nein, ich bleibe ja Schalker. Ich bleibe Mitglied der Schalker Fan-Initiative, und natürlich werde ich auch weiter ins Stadion gehen. Ich vermute aber mal, dass der Klub jetzt auf Abstand zu mir geht, wenn ich diese Position einnehme. 

Werden Sie wieder in den Verein eintreten, wenn Tönnies zurücktritt?

Ja, aber ich würde es mir erstmal genau anschauen. Ich will sicher sein, dass alle im Verein von dessen Werten wirklich überzeugt sind. 

Der Verlag Gruner+Jahr, in dem auch der stern erscheint, bringt 11Freunde heraus.

Interview: Christoph Biermann/11Freunde

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