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Sexueller Missbrauch von Minderjährigen: Die mutmaßliche Komplizin an Epsteins Seite: Wer ist Ghislaine Maxwell?

Nach dem Tod des Milliardärs Jeffrey Epstein in einer New Yorker Gefängniszelle gerät seine Vertraute Ghislaine Maxwell in den Fokus der Öffentlichkeit. Sie soll ihm Mädchen ausgesucht und zugeführt haben. Aber wer ist die Frau?

Ghislaine Maxwell verlässt im Jahr 200o eine Hochzeit in Salisbury. Der Mann, der den Wagen steuert, ist Prinz Andrew

Ghislaine Maxwell verlässt im Jahr 2000 eine Hochzeit in Salisbury. Der Mann, der den Wagen steuert, ist Prinz Andrew

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Nach dem Tod des pädophilen Milliardärs Jeffrey Epstein, der sich offenbar in seiner New Yorker Gefängniszelle das Leben nahm, gerät eine Frau in den Fokus der Öffentlichkeit: Ghislaine Maxwell war fast dreißig Jahre lang erst Geliebte und dann Vertraute des Milliardärs, der eine sexuelle Vorliebe für minderjährige Mädchen hatte. Gegen Epstein, der bereits 2006 in einem Fall wegen erzwungener Prostitution einer Minderjährigen zu einer milden Strafe verurteilt wurde, war zuletzt erneut Anklage erhoben worden. Er soll jahrelang junge Frauen missbraucht und sie an Freunde weitervermittelt haben. Die britische Millionenerbin Maxwell soll eine entscheidende Rolle in dem Handel gespielt und selbst Mädchen zusammen mit Epstein missbraucht haben.

So lauten zumindest die Vorwürfe, die mehrere Frauen übereinstimmend gegen Maxwell erheben. Die wichtigste ist Virginia Roberts Giuffre, 35, die 2015 eine Verleumdungsklage gegen Maxwell eingereicht hatte. Maxwell hatte ihre Anschuldigungen damals als Lüge bezeichnet. Die Akten wurden am vergangenen Freitag von einem Gericht in New York freigegeben und bestätigten zahlreiche Gerüchte um die 57-jährige Maxwell. Andere Betroffene äußerten sich in anderen Zivilklagen gegen Epstein und Maxwell ähnlich über deren Rolle beim Mädchenhandel.

Zuhälterin und Beschützerin von Epstein 

Laut der Aussagen war Maxwell nichts anderes als eine Art Zuhälterin und zugleich Vertraute des Milliardärs. Sie soll ihm die Mädchen zugeführt haben. Demnach habe sie die 14-, 15- oder 16-Jährigen mit falschen Jobangeboten oder Einladungen zu angeblich harmlosen Partys gelockt. Maxwell habe den Mädchen Anweisungen gegeben, wie sie sich zu verhalten hätten. Sie soll die Opfer, wenn es notwendig erschien, unter Druck gesetzt haben. Sogar Pässe soll sie eingezogen haben.

Viele Zeuginnen bestätigten US-Medien zufolge, dass die Mädchen Epstein dreimal am Tag "massieren und zum Orgasmus" hätten bringen müssen. Oft seien es bis zu drei verschiedene Mädchen gewesen. Maxwell habe sich aber auch an dem Sex mit Epstein und den Mädchen beteiligt. 

Giuffre gibt an, dass sie selbst im Jahr 2000 von Maxwell angeworben worden sei, als sie in Donald Trumps Golfclub Mar-a-Lago in Florida arbeitete. In den Gerichtsakten schildert Giuffre die Worte, mit denen Maxwell sie anwarb: "Ich kenne jemanden. Wir können dich ausbilden. Wir können dir Umgangsformen beibringen. Du weißt, wir können Dir dabei helfen, wenn Du das Bewerbungsgespräch bestehst. Wenn der Typ dich mag, dann wird es für dich klappen. Du wirst reisen. Du wirst gutes Geld verdienen."

Das bezog sich auch darauf, dass die Mädchen mutmaßlich an prominente und reiche Freunde Epsteins weitervermittelt wurden. So beschuldigt eine Frau Prinz Andrew, dass er sie missbraucht habe. Auch der frühere israelische Ministerpräsident Ehud Barak geriet kürzlich in seiner Heimat unter Druck: Fotos zeigen ihn, wie er mit einem über das Gesicht gezogenen Schal die Wohnung von Epstein in New York betritt. Der Schal habe ihm zum Schutz vor der Kälte gedient, verteidigte sich Barak.  

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Sie war fast dreißig Jahre lang an seiner Seite

Es spricht viel dafür, dass die Anschuldigungen gegen Maxwell einen Wahrheitsgehalt haben. Schließlich kannten sich die Millionärstochter und Epstein seit Anfang der neunziger Jahre. Nachdem ihr Vater, der britische Medientycoon Robert Maxwell, 1991 von seiner Yacht (die er nach seiner Tochter Lady Ghislaine benannt hatte) in den Tod gestürzt war, ging seine Lieblingstochter (sie hat noch acht Geschwister) nach New York, wo sie Epstein kennen lernte – eine nützliche Verbindung für beide. Maxwell war pleite, weil der Konzern ihres Vater hoffnungslos verschuldet war. Ihr Vater hatte zudem ganz tief in die Pensionskasse seiner Angestellten gegriffen. Aber sie war gewandt auf gesellschaftlichen Parkett, hatte in Oxford studiert, sprach mehrere Sprachen und verfügte über einen Hubschrauber-Flugschein. Ihren Vater hatte sie vor seinem Tod bei öffentlichen Auftritten begleitet und den Konzern bei sozialen Veranstaltungen repräsentiert. Für den neureichen Investmentbanker Epstein war Maxwell ein Türöffner in die Kreise der Reichen und Schönen. So profitierten beide von der Verbindung, die zu Beginn wohl eine Liebesbeziehung gewesen sein soll.

Später soll sie die Häuser und Besitzungen Epsteins verwaltet haben. Sogar nach Epsteins erster Verurteilung blieb sie treu an seiner Seite. Noch 2010 war sie zu Gast auf der Hochzeit von Chelsea Clinton. Erst seit sich die Zivilklagen gegen Epstein häuften und in New York eine Strafanklage absehbar war, zog sie sich offenbar von ihm zurück. Das von ihr gegründete TerraMar Projekt, das sich für den Schutz der Meere einsetzte, hat sich am Montag aufgelöst. Wo sich Maxwell derzeit aufhält, ist unbekannt. Noch ist nicht offiziell bekannt, ob die New Yorker Staatsanwaltschaft auch gegen sie ermittelt.

Quellen: "Washington Post", "The Guardian", "The Telegraph""Süddeutsche Zeitung"

tis