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Meinung

Unglück in Berlin: Nach Unfalltragödie mit vier Toten: Der SUV ist schuld – die abstoßende Polemik der Umwelthilfe

Vier Menschen wurden in Berlin durch einen Autounfall getötet. Von Grünen und Umwelthilfe wurde das Unglück für die bekannte Anti-SUV-Kampagne genutzt. Dabei hat der Unfall mit der Bauform des SUVs nichts zu tun.

Blumen und Kerzen haben Trauernde an der Stelle abgelegt, an der am Freitagabend vier Menschen gestorben waren.

Blumen und Kerzen haben Trauernde an der Stelle abgelegt, an der am Freitagabend vier Menschen gestorben waren.

dpa

Nach der Tragödie in Berlin steht für grüne Amtsträger und die Deutsche Umwelthilfe fest: Der SUV ist an den vier Toten, die durch einen Autounfall starben, schuld. Sachlich ist das sicher falsch, aber wirklich erschreckend ist nicht, dass krasse Fake-Fakten in die Debatte geworfen werden, sondern die Pietätlosigkeit, mit der hier manche Gruppen ihre Agenda mit vier Toten und dem Leid der Toten befördern wollen.

Was ist passiert? In Berlin ist ein SUV vom Typ Porsche Macan von der Fahrbahn abgekommen und auf ein Baugrundstück gefahren – dabei wurden fünf Fußgänger verletzt - vier Menschen starben, eine Frau überlebte. Was wissen wir? Sicher ist, die Opfer sind absolut unschuldig an dem Unglück. Der Tod hat sie ahnungslos ereilt.

Was wissen wir nicht? Wer schuld ist an dem Unglück. Viel deutet auf den Porschefahrer hin, aber bislang kann die Polizei keinen medizinischen Zwischenfall ausschließen. Denn es kommt durchaus vor, dass Personen am Steuer einen Herzanfall erleiden und das Fahrzeug dann unkontrolliert vom Weg abkommt. Berichte von Augenzeugen deuten darauf hin, dass der Porsche mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs war. Wird ein Wagen stark beschleunigt, kann es auch bei einem modernen Auto, dessen Steuerungselektronik ein Schleudern und Ausbrechen verhindern soll, passieren, dass der Fahrer durch riskante Manöver sein Fahrzeug in eine unkontrollierbare Situation bringen kann. Aber ob das Unglück jetzt aus Spaß an der Raserei geschehen sein mag oder ob ganz andere Umstände – wie Gegenstände auf der Fahrbahn - die Ursache waren, kann man zu diesem Zeitpunkt noch nicht genau sagen. Inzwischen berichten der "Tagesspiegel" und die "Berliner Morgenpost" unter Berufung auf Polizeikreise, dass der Mann einen epileptischen Anfall erlitten haben und daraufhin in die Menschengruppe gerast sein soll. Eine offizielle Bestätigung steht noch aus.

Kein Geländewagen

Doch auf gar keinen Fall ist die Bauform "SUV" an dem Unfall schuld. Der Macan ist weder ein Geländewagen (wie einige Medien berichten) noch "panzerähnlich" wie der grüne Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel meinte. Mit einem Fahrzeug wie einem Landrover Defender – einem echten Geländewagen – hat ein Macan nichts gemein. Grundsätzlich besitzen moderne Autos, zu denen auch der Porsche Macan gehört, weit mehr Sicherheitsfeatures, die auch Fußgänger schützen sollen, als alte Fahrzeuge oder gar Lkws. Dazu gehören "weiche Aufprallzonen" an der Front, Vorgaben für Grill und Seitenspiegel. Alles Dinge, über die ein sympathisches Fahrzeug wie der alte VW Bully nicht im Ansatz verfügt. Doch bei so einem Unfall, in dem das Fahrzeug womöglich seitlich mit hoher Geschwindigkeit auf eine Gruppe Fußgänger prallt, nützen diese Features nichts. Das Einzige, was man der Bauform "SUV" in Sachen Unfallfolgen vorwerfen kann, ist die Höhe. Ein hohes Fahrzeug bedeutet für Fußgänger und Radfahrer immer ein besonderes Risiko. Doch der Macan ist mit seinen 1624 Millimetern nicht höher als ein Familienvan wie der Seat Alhambra mit 1740 Millimetern, ein Citroën Berlingo mit 1849 Millimetern oder gar ein VW Bus mit 1970 Millimetern. Der Macan ist übrigens auch kleiner als die drei genannten Fahrzeuge.

PS-Zahl und Beschleunigung

Bleibt der Porsche-Faktor. Sollte der Unfall auf überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen sein, liegt der Reflex nahe, den PS-Wahn für den Unfall verantwortlich zu machen. Aber auch das überzeugt nur halb. Illegale Straßenrennen wurden durchaus mit ganz normalen Wagen aus den Flotten von DriveNow und Car2Go durchgeführt. Anders formuliert: Wer das Gaspedal durchdrückt, bringt auch einen durchschnittlichen Pkw sofort in einen Bereich, in dem es im Stadtverkehr sehr gefährlich wird.

Das alles wissen von Dassel und die Umwelthilfe natürlich auch. Das hat sie aber nicht davon abgehalten, die günstige Gelegenheit mit vier Toten für ihr Propaganda-Getrommel zu nutzen. Das ist einfach widerlich.

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Mehr Schutz vor Autos

Aber es bedeutet nicht, dass die Autofahrerwelt wieder in Ordnung ist. Denn eines bleibt: Vier Menschen wurden durch den motorisierten Verkehr getötet. Denn egal, wer oder was an dem Unfall schuld ist: Die Toten und Verletzten sind es nicht. Darum muss man wieder und wieder fordern, dass die Politik endlich Fußgänger und Radler vor Kraftfahrzeugen und ihren Fahrern schützen muss - und das ganz unabhängig vom Fahrzeugtypus. Die Zeiten sind vorbei, in denen die schwächeren Verkehrsteilnehmer es schicksalergeben hinzunehmen haben, dass regelmäßig jemand von ihnen für den motorisierten Verkehr aufgeopfert wird.

Anmerkung der Redaktion: 

Die Berichte des "Tagesspiegel" und der "Berliner Morgenpost", dass der Mann einen epileptischen Anfall erlitten haben und daraufhin in die Menschengruppe gerast sein soll, sind erst nach Erstveröffentlichung des Artikels erschienen. Der Artikel wurde entsprechend angepasst.

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