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Pedelec: Joko hat ein E-Bike für nur 899 Euro vorgestellt - wir sind es schon gefahren

Noch ein E-Bike und dann auch noch von einem TV-Promi präsentiert - muss das sein? Könnte man beim Sushi denken, dem E-Bike von Joko Winterscheidt. Aber dann liegt man falsch. Das Sushi ist ein echtes Angebot und hat das Zeug zum E-Volksrad für junge City-Bewohner.

Joko nutzt seine Popularität, um das E-Bike bekannt zu machen

Joko nutzt seine Popularität, um das E-Bike bekannt zu machen. Auch damit weniger Menschen mit dem Pkw in der City unterwegs sind.

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Das Joko-Bike mit dem Namen Sushi ist eine Hommage an das Fahrrad - ein klassischer Diamantrahmen, kein Schnick-Schnack und eine saubere Optik. Reduced to the Max. Und das zu einem Preis von nur 899 Euro. Und natürlich hat Joko Winterscheidt das Rad nicht entwickelt, sondern sein Partner Andy Weinzierl. "Ich habe kein Abendstudium in Ingenieurwissenschaft nebenbei absolviert. Ich habe das Rad gesehen und fand es mega. Das Ding ist perfekt", sagte Joko im Gespräch mit dem stern. "Dann habe ich zu Andy gesagt: 'Wenn du damit rauskommst und ein bisschen Aufmerksamkeit haben willst, bin ich dein Mann. Ich kann nur ernsthaft ein Produkt nach vorne bringen, wenn ich auch voll dahinterstehe." 

Das Sushi ist nicht das erste Pedelec in dieser Preisklasse. In jedem Baumarkt und regelmäßig auch bei den Discountern werden E-Räder in der Klasse um 1000 Euro angeboten. Versehen mit China-Technik für Motor, Controller-Display und Akku. Doch diese Räder sind normal aufgebaute City- oder Tourenräder. Das Sushi-Bike dürfte auch dem verwöhnten Hipster gefallen. "Ich finde, es sieht geil aus, ich setze mich drauf, alles stimmt", sagt Joko. "Und es ist preislich total okay. Ich bin happy mit dem Rad. Denn hier bezahle ich keine Dinge, die ich eigentlich gar nicht brauche."

Pedelec: Sushi E-Bike für 899 Euro - so sieht es im Detail aus
Kleiner Spurt in München - das Sushi wurde für die Stadt gemacht.

Kleiner Spurt in München - das Sushi wurde für die Stadt gemacht.

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Sorgsam aufgebaut

Uns hat an dem Rad die Umsicht gefallen, mit der Andy Weinzierl es aufgebaut hat. Der Rahmen besitzt Ansatzpunkte für Schutzbleche, Gepäckträger und Ständer. Es lässt sich also leicht in ein für den Alltag- und für Schlechtwetter geeigneteres Modell verwandeln. Und weiter individualisieren: Das Rad kann dann ganz anders aussehen – etwa wenn man es mit Schutzblechen aus Holz versehen würde. Kosten für Gepäckträger und Schutzbleche liegen je bei etwa 20 bis 40 Euro.

Trotz des geringen Preises machen Details wie Lenker, Sattelstange und Vorbau einen hochwertigen Eindruck. Handgriffe und die Tiefbettfelgen sind für die Preisklasse sehr gut. Zur Verzögerung wurden mechanische Scheibenbremsen von Tektro verbaut - auch eine gute Wahl. Aber natürlich bekommt man nicht das gleiche Material geboten wie in einem 4000-Euro-Rad. "Das Rad soll leicht verständlich sein. Eine mechanische Scheibenbremse kann man auch im Urlaub leicht reparieren," so Andy Weinzierl.

Sehr leichter E-Antrieb

Nur das am Lenker montierte Bedienfeld des E-Antriebes fällt optisch ab. Bei einem eigenen Rad würden wir probieren, ob die Druckpunkte noch funktionieren, wenn das Feld mit halbtransparenter Carbonfolie überzogen wird. Schön auch, dass die Verkabelung größtenteils innerhalb des Rahmens verlegt wurde. Der Motor liegt im Hinterrad, beim Ausbau des Rades wird er einfach ausgestöpselt. Optisch ist der Nabenmotor sehr unauffällig, er ist auch kaum größer als eine Nabenschaltung. Im Rahmen sitzt der Akku. Er hat ungefähr die Größe einer Trinkflasche. Mit einem Gewicht von nur 800 Gramm lässt er sich leicht transportieren. Ein Zweitakku kann die Reichweite verlängern, er soll etwa 200 Euro kosten.

Kein Power-Motor

Doch wie fährt sich das Sushi? Vom Konzept her ist das Joko-Bike ein echtes Fahrrad geblieben, plus ein wenig Motorhilfe. Das Gefühl auf dem Sattel bleibt sehr nah an einem "echten" sportlichen Rad. Das liegt an dem geringen Gewicht des Rades – der Motor wiegt nur 1,8 Kilogramm. Wenn es angehoben oder geschoben wird, merkt man gar nicht, dass es ein E-Bike ist. Der Motor hilft allerdings nur dezent. Mit der gleichen Anstrengung, mit der man sonst mit Tempo 18 gemütlich cruisen würde, fährt man nun mühelos Tempo 25. Die brachiale Power und den Schub, die E-Motoren mit 75 Newtonmeter Drehmoment und Boost-Leistungen von 600 Watt aufbieten, gibt es allerdings nicht. Die Motorleistung ist auf 200 Watt begrenzt, die Reichweite soll 40 Kilometer betragen.

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Das Rad verzichtet zudem auf eine Schaltung. Ein Teil weniger, was gewartet und geschaltet werden muss. Das Konzept Single-Speed mit E-Antrieb funktioniert ganz gut – so auch beim Sushi. Der Antrieb ist so abgestimmt, dass das Anfahren gut möglich ist und man auch bei Tempo 25 noch eine wenig fordernde Kadenz tritt. "Wir haben lange herumprobiert mit der Übersetzung. Das ist jetzt sehr harmonisch. Wir haben Leute ausprobieren lassen und gemerkt, dass die gar nicht 35 km/h fahren, wie ich zuerst gedacht hatte, sondern eher zwischen 18 und 25 km/h unterwegs sind, wenn sie nicht nur 15 fahren."

Durch den Austausch des hinteren Ritzels lässt sich die Charakteristik des Rades einfach anpassen. Unserer Meinung nach passt das Konzept gut in der Stadt und im Ebenen – im hügeligen oder bergigen Gelände würde wir nicht auf eine Schaltung verzichten und auch einen stärkeren Motor vorziehen. Der Akku ist zu klein, wenn Höhenmeter gefressen werden sollen.

Es bleibt ein sportives Rad

Das Rad sieht sehr sportlich aus und so fährt es sich auch. "Ich wollte das Fahrrad an sich herausholen. Unser Rad ist sehr minimalistisch," erklärt Andy Weinzierl. Der Vorbau steigt zwar leicht an und wurde durch eine Lage Spacer angehoben, um ohne Nackenstarre in der Stadt fahren zu können. Doch der Lenker ist gerade und die die Reifen sind sehr schmal und hart. Das prägt den Charakter des Rades deutlich. Es ist kein gemütlicher City-Cruiser, sondern doch ein sportives Bike. Mit so einem Rad kann man durchaus auch über Kopfsteinpflaster fahren oder einen Kantstein hinunterspringen – doch dann muss der Fahrer mitarbeiten, er kann die Unebenheiten des Untergrundes nicht einfach aussitzen.

Das Sushi ist auf ein maximales Spaßerlebnis reduziert worden. Doch um es ganz klar zu sagen: Das Sushi hat einen tollen Preis, spielt aber nicht in der gleichen Klasse wie das Cowboy und die VanMoof-Räder. Beide Konkurrenten sind deutlich teurer. Die Qualität der technischen Zutaten ist partiell ähnlich, doch diese Räder bieten eine umfangreiche Smartphone-Anbindung und besonders bei den VanMoofs finden sich sehr anspruchsvolle individuelle Design-Lösungen, die eben auch bezahlt werden müssen. Beide Konkurrenten sehen zwar flott aus, sind aber sehr viel gemütlicher ausgelegt, als das sportive Sushi. Sie eignen sich für jeden Bummler auf dem Rad, für das Sushi sollte man Fahrfreude mitbringen.

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Unser Fazit: Der Preis ist sehr gut für ein so schönes und liebevoll ausgestattetes Rad. Zum urbanen Radeln reichen Motor- und Akkuleistung aus, für Touren und Bergsteigungen nicht. Das typische E-Bike-Feeling wird sonst durch die pure Kraft des Motors ausgelöst – das Sushi unterstützt die Beinarbeit dezenter. Es bleibt ein "Fahr"-Rad. Die Haltung auf dem Rad ist nicht übermäßig sportlich, die Reifen allerdings schon – man muss also Fahrradfahren wollen.

Wenn man das mag, und nicht mehr als doppelt so viel Geld wie bei Konkurrenzrädern ausgeben will, sollte man sich das Sushi unbedingt ansehen.

Der Verlag Gruner+Jahr, in dem auch der stern erscheint, bringt "JWD" -  "Joko Winterscheidt's Druckerzeugnis" – heraus. Winterscheidt's Aktivtäten im Zusammenhang mit dem Sushi-Bike sind davon unabhängig.

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